Rede zur Lage der Nation

Stünde ich vor der Herausforderung, eine Rede zur Lage der Nation zu schreiben, würde ich in den heutigen Zeiten so ziemlich ins Schwimmen kommen.

Wo soll man da anfangen? Es krankt irgendwie überall. Ich erinnere mich, im Jahr 2015 in Sri Lanka durch den Dschungel gelaufen zu sein, und auf der Suche nach dem Namen einer Pflanze, tippte ich die Frage einfach mal schnell ins Smartphone ein, und hatte die Antwort. Orts-, und Zeitwechsel: Wir schreiben das Jahr 2019. Eine Liveschaltung zur Konferenz zum Thema Netzabdeckung bricht aufgrund eines offenbaren Funkloches zusammen. Nicht im Dschungel, nicht in der Wüste, sondern 70 km von Berlin entfernt. Kann man sich nicht ausdenken.

Wo liegt das Problem? Wer hat Schuld? Die Telekommunikationsfirmen, die etliche Milliarden Euros ausgeben mussten, um eine 5G-Lizenz zu ergattern, und nun natürlich nicht mehr genug im Sparschwein haben, um sich in Gegenden zu engagieren, die keinen schnellen Cash-Back garantieren? Oder vielmehr der zuständige Minister, der zwar durch die Gegend tönt, Netzausbau wäre wichtig, sich dann aber lieber um andere Dinge kümmert? Ich denke, in diese Richtung sollte man seine Blicke lenken. Womit beschäftigt sich der Herr denn so aufopferungsvoll? Um sich selbst. Eigentlich müsste er mittlerweile, aufgrund diverser Unfähigkeiten, mit dem Rücken an der Wand stehen (hier meine ich ausdrücklich nicht die AfD-Variante), und überlegen, wie er den angerichteten Schaden wieder kompensiert. Womit ja nicht nur der, imaginäre, Netzausbau gemeint ist. Wie selbstverliebt muss man sein, um ein Projekt durchzuführen, von dem alle sagen, dass es so nicht geht, um dann festzustellen, dass es so wohl nicht ging? „Ups, das ist jetzt ja dumm gelaufen. Ich hab gedacht, wenn ich einfach noch mehr Geld rauswerfe, wird das schon. Naja, ist ja nicht mein Geld.“ So stelle ich mir die Gedankengänge des Bundesverkehrsministers vor. Obwohl, ich glaube eigentlich, er verschwendet keine Sekunde mit irgendwelchen Gedanken zum Maut-Desaster.

Ist aber auch wirklich egal. Maut hin oder her. Um Maut zu bezahlen, braucht man Straßen. Diese müssen oftmals noch gebaut werden. Die Betonung liegt hier auf dem Wort „müssen“, was besser durch „müssten“ ersetzt werden sollte. Denn selbsternannte Schützer der Bevölkerung tun alles in ihrer Macht stehende, um uns (den unmündigen/dummen) Bürger vor uns Selbst zu schützen. Wir wissen nämlich nicht, dass wir diese Straßen gar nicht wollen. Sie erklären in unserem Namen, dass Umgehungsstraßen Unsinn sind, und man in Städte besser nicht mit einem Diesel-Fahrzeug fährt. Zumindest in bestimmte Straßen nicht. Ich weiß jetzt, was wir möchten oder nicht möchten. So muss es sein, denn die DUH ist schließlich ein gemeinnütziger Verein, dem von Staatswegen diverse Vergünstigungen eingeräumt werden. „Gemeinnützig“ klingt gut, also wissen die schon, was wir wollen.

Wir wollen nämlich auch keine Silvesterfeuerwerke. Hab ich gelesen. Ist schädlich, und überhaupt. Um es klarzustellen, erkläre ich hiermit, dass sowohl mein Hund, als auch ich selbst noch nie ein Feuerwerk abgefeuert haben. Zumindest bei Einem von uns Beiden kann ich das für die letzten 30 Jahre ausschließen. Meinen Hund kenne ich erst seit 3,5 Jahren. Was davor war, weiß ich nicht.

Ich kann also auf Feuerwerk verzichten. Ich mag es nicht, es ist mir zu laut, denn ich bin schreckhaft. Ich weiß aber, dass viele Leute ihr Feuerwerk zu Silvester lieben. Diese kommen im Normalfall nicht zu mir, und nötigen mich zur Knallerei. Im Umkehrschluss stehe ich nicht bei denen vor der Tür zum Missionieren. Also möchte ich auch nicht, dass die DUH in meinem Namen spricht.

Auch Bürgerinitiativen oder Privat-Kläger sind in Deutschland dafür bekannt, gegen alles zu sein, was vermeintlich schlecht ist, und der Gesundheit schadet. Auch sie sprechen immer „für Alle“. Im Zweifel, müssen dann sogar Insekten herhalten. Die werden nämlich von Windkraftanlagen geschreddert. Funkmasten sind genauso wichtig, wie Windkraft oder die Schnellstraße. „Das muss sein, aber nicht hier, denn hier brütet der grüngestreifte Ochsenfrosch.“, so der Tenor der Robin Hoods der Nachbarschaften. Wir werden es ihnen irgendwann danken. Ganz bestimmt. Wenn nicht, haben wir es nur nicht verstanden.

Dass einige Wenige die Deutungshoheit besitzen, und für die Mehrheit sprechen, kann heutzutage als Normal bezeichnet werden. Eine Handvoll Studenten (und Studentinnen, sowie Studierende und Studierendinnen) hindern die Mehrzahl der anderen Studenten (und Stud... Sie wissen was ich meine) daran, eine Vorlesung eines Professors zu besuchen, weil der „nicht gut ist“. Ja Leute, was ist falsch bei Euch? Dann bekundet Euren Unmut dadurch, dass ihr die Vorlesung boykottiert. Verteilt Flugblätter oder Luftballons, aber nötigt nicht die anderen Leute, diese Vorlesung nicht zu besuchen. Hört bitte auf, Euch einzubilden, im Namen „des Guten“ für alle Anderen (Unwissenden) sprechen zu müssen. So etwas geht meist nicht lange gut. Haben Menschengruppen eine Demonstration angemeldet, und diese genehmigt bekommen, dann lasst die demonstrieren. Auch, wenn das Blödsinn ist, wofür sie auf die Straße gehen. „Ja, aber die machen da schlimme Dinge und sagen so Sachen“. Wenn das so ist, wird diese Demonstration aufgelöst und/oder verboten. Wird sie nicht verboten oder aufgelöst, dann passiert dort im Umkehrschluss nichts Rechtswidriges. Wenn die Argumente ausgehen, sprechen die fliegenden Steine. Leider ist das so. Aber bitte nicht in meinem Namen.

Gut, dass ich keine Rede zur Lage der Nation schreiben muss, find ich.


19.11.2019