...aber das einfache Volk

Um es vorweg zu nehmen – ja mir ist bewusst, dass ich mit dem folgenden Text viele Leute auf die Barrikaden bringen werde. Auch viele Leute, die mit mir normalerweise einen freundschaftlichen Umgang pflegen, und deren Einstellungen durchaus mit meinen eigenen deckungsgleich sind.

Mir ist natürlich auch weiterhin bewusst, dass ich kein Diplomat bin, und dass „das normale Bauchgefühl“ nicht immer der beste Ratgeber ist. Da ich mich aber seit Wochen in Facebook an Menschen(?) abarbeite und dies sogar soweit ging, dass Facebook meinte, innerhalb von 14 Tagen zweimal mein Profil zu sperren, muss ich mich einfach hier äußern.

Warum habe ich „Menschen“ mit einem Fragezeichen versehen? Weil ich nicht sicher bin, wirklich mit realen Personen zu kommunizieren, mit bezahlten Schreibern oder mich sogar mit Maschinen zu beschäftigen.

Beginne ich mit einer Ansage, die wahrscheinlich die meiste Gegenwehr bekommen wird. Ja, ich verstehe nicht, warum die NATO einfach zuschaut, wie ein größenwahninniger Diktator ein Nachbarland überfällt und in Schutt und Boden bombt. Das Argument, man wolle keinen 3.Weltkrieg provozieren, zieht in meinen Augen überhaupt nicht. Die diffuse Angst, man könne den Kriegsverbrecher Putin dazu „zwingen“, auf den roten Knopf zu drücken, ist in meinen Augen unsinnig und fehl am Platz. Wenn dieser Massenmörder auf diesen Knopf drücken will, dann macht er das sowieso. Dass ihm alles egal ist, und er sich im Notfall einfach irgendetwas einfallen lässt, um einen Grund zu haben, ist hinlänglich bewiesen. Sollten seine Atomwaffen allerdings genauso marode sein, wie der Rest seiner glorreichen Armee, ist die Gefahr überschaubar. Womöglich bekommt er lediglich einen elektrischen Schlag, wenn er den Schalter umlegt. Man sollte diesen Mann stoppen – und zwar so schnell wie möglich. Propagiere ich hier einen Diktatorenmord? Klare Antwort – definitiv könnte man das so verstehen. (Wow, Harter Tobak) Wären die Attentate auf Hitler geglückt, würden sich heute die Menschen zumindest  nicht negativ darüber äußern

Die Sanktionen treffen „nur die kleinen Leute“ wird immer wieder gesagt. Im Augenblick hört man auch immer öfter „aber man darf den russischen Kindern doch nicht die Schokolade wegnehmen“ in Bezug auf die Untergrabung der Sanktionen durch eine quadratisch praktische Schokoladenfabrik.

Wenn ich mir die Gleichung aufmache: russische Kinder verlieren ihre Schokolade vs. ukrainische Kinder ihre Heimat (im besten Fall) dann sollte die Wahl wohl recht eindeutig ausfallen. Ich stelle die steile These auf, dass ukrainische Kinder gern die Schokoladentafel geben würden, wenn sie dafür ihren Vater behalten dürften.

Die russische Bevölkerung kann natürlich nichts für den Krieg (zumindest nicht offensichtlich), aber die ukrainische kann dafür noch viel weniger. Der Leidensdruck unter der russischen Bevölkerung muss so unerträglich werden, dass diese einfach die Faxen dicke hat, und ihren Führer aus dem Kreml jagt. Ich schreibe hier absichtlich nicht, was ich damit wirklich meine.

Die Leute, die beklagen, dass die Sanktionen so schlimm sind, müssen sich einfach einmal vor Augen halten, was die Alternative wäre. Man muss in der Geschichte nicht so weit zurück. Die Alternative wäre nämlich die Bombardierung russischer Städte und Dörfer. Das kann nun wirklich niemand wollen. Genau das aber wird von Putin provoziert. Wenn man nämlich einfach mal ehrlich wäre, müsste man einsehen, dass sein Glück ist, dass sich alle zurückhaltend und besonnen verhalten. Es wäre auch für die Ukraine eine Leichtigkeit, Gegenden in Grenznähe dem Erdboden gleich zu machen. Derzeit vernichten sie erfolgreich die russische Armee. Aber lediglich auf einem Territorium auf dem diese nichts zu suchen hat.

Es könnte durchaus sein, dass Kiew nicht nur das Stalingrad Putins wird, sondern Moskau sein Berlin.

Die Geduld, die die NATO an den Tag legt, macht zumindest mich sprachlos. Wir schauen zu, wie jemand niedergemetzelt wird, sagen „schlimm, schlimm“ und lehnen uns zurück, weil wir ja schließlich mit Waffen helfen. Es ist abscheulich.

Nun wird oft gesagt, man würde eine Doppelmoral zur Schau stellen, weil man den Angriffskrieg auf die Ukraine verurteilt, weil ja schließlich die USA und die NATO auch andere Länder überfallen haben. Zum einen stimmt das schlicht nicht (zumindest im Fall der NATO), zum anderen sehe ich einen Unterschied zwischen der Unterstützung einer Seite in einem Bürgerkrieg (ob es die richtige Seite ist, oder aus welchen wirklichen Grund sei dahingestellt), und dem Wunsch „Hey, ich hole mir mal eben mein Nachbarland heim ins Reich“.

Wir begehen gerade Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Aber, selbst wenn man die Fakten so auslegen möchte, rechtfertigt dies in keinster Weise den Beschuss von Zivilisten, von Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern oder ganz einfach dem Nachbarland. Es gilt der alte Rechtsgrundsatz „Es gibt kein Recht im Unrecht“. Ich kann nicht einen Menschen töten, nur weil es jemand anderes auch gemacht hat. So kann ich jede Straftat begründen und relativieren, außer ich bin der Erste, der sie begeht.

Von vielen verborten Pazifisten schallt es mir auch oft entgegen, dass man mit Gewalt keinen Krieg beendet, sondern lediglich durch Diplomatie.

Erstens fallen mir eine Menge Kriege ein, die durch Gewalt beendet wurden (der Zweite Weltkrieg sei nur als ein Beispiel genannt), und zum anderen kann man nur mit Menschen verhandeln, die auch wirklich verhandeln wollen. Dass die russische Seite dies nicht will, sondern alle nur hinhält, um sich selbst zu ordnen, sieht man allein daran, dass selbst während der Gespräche die Beschüsse in keinster Weise eingestellt.

Der russischen Seite kann man derzeit definitiv nicht vertrauen. Der Außenminister Pinocchio Lawrow lügt, wenn er den Mund öffnet. Dem würde ich nicht einmal glauben, wenn er „Guten Tag“ sagt. Dies in einer Dreistigkeit, die selbst mich sprachlos macht, was etwas heißen soll. Er lügt – alle wissen, dass er lügt – er weiß, dass alle wissen dass er lügt, und es ist ihm egal.

Der Putinplatzhalter Medwedjew erzählt auch nur die Märchen von seinem Herrchen und der Rest der Bande tut auch nur das, was man erwartet. Sieht man sich den Armeesprecher an, könnte man ebenfalls meinen, dort steht ein Roboter, der ausdruckslos die größten Lügen vermeldet.

Einzig die Bilder von Putin, wie er von Mal zu Mal angepisster und genervter erscheint, geben Hoffnung, dass er seinem Ende entgegengeht.

Gespräche sind wichtig. Das ist korrekt. Ich glaube auch ganz fest daran, dass Gespräche geführt werden. Und zwar mit den richtigen Leuten, denen aus der zweiten Reihe. Jene, die das Ruder übernehmen, sobald ihr oberster Feldherr festgesetzt ist (wieder schreibe ich nicht, was ich wirklich meine).

Es wird immer wieder angeführt, warum jetzt auf einmal so ein Aufschrei stattfindet, und man seit acht Jahren nur zugeschaut hat, wie der Donbass beschossen wurde. Man mag es nicht glauben, aber da gebe ich denen, die das immer wieder einwerfen tatsächlich Recht. Wenn auch anders, als diese das meinen.

Ja, man hätte bereits in voller Härte eingreifen müssen, als Putin 2014 das alles angezettelt hat. Als er sich dann auch noch die Krim holte, gab es einen kurzen Aufschrei und … NICHTS WEITER.

Genau dies hat diesen Psychopathen aber in dem Glauben  bekräftigt, sich einfach nehmen zu können, was ihm gerade einfällt. Der Westen ist empört und wirkt paralysiert. Ansonsten Business as usual. Man will es sich mit Russland schließlich nicht verscherzen.

Genau das ist es, was wir uns ankreiden lassen müssen.

Interessanterweise finden genau jene Menschen das Vorgehen Putins vorbildlich, die ansonsten die deutsche Regierung als Diktatur betrachten. Schaut man sich die Profile kann, sind alle irgendwie identisch. AfD, Impfen ist doof, Montags gehen wir für die Freiheit spazieren. Ach so….MASKE RUNTER – KÖRPERVERLETZUNG 11!!11

Jene Menschen schreiben gerne ihre Aussagen (die sie sich natürlich selbst erdachten) in GROSSBUCHSTABEN und oftmals mit einer sehr kreativen RäSCHTshraibung.

So weit, so doof.

Was aber ist in diese Leute gefahren, mit definitiv leicht zu entlarvenden Lügen um die Ecke zu kommen, um die Ukrainer zu diffamieren? Erst kürzlich meinte ein „Experte“ der ganz viele Bekannte in der Ukraine hat (solche Leute haben immer ganz viele Bekannte genau da, wo es die eigene Meinung stützt //Krankenhaus, Krematorien oder eben derzeit im Kriegsgebiet), dass sich nicht ein russischer Panzer in der Ukraine befindet, und die Ukrainer von den eigenen Leuten beschossen werden. Seine Bekannten hätten ihm das gesagt. Die sitzen vor Ort, und müssten das ja wissen.

Nun unterhalte ich mich beruflich bedingt täglich mit Flüchtlingen aus der Ukraine, und diese erzählten mir alle genau das Gegenteil von dem, was der mir erzählte. Darauf angesprochen, meinte er, wie es denn wohl sein könne, dass „meine Flüchtlinge“ etwas anderes erzählen als „seine Flüchtlinge“. Ehrlich gesagt hat mich die Frage irritiert, denn die Antwort liegt auf der Hand. „Meine Flüchtlinge“ kommen wirklich aus der Ukraine.

Hier ist so ein Fall, wo ich mich nicht entscheiden kann, ob ich über diesen Menschen wütend bin, oder ob er mir leid tut, weil er so leicht zu täuschen ist. Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten, warum er das behauptet. Er hat die Lüge selber in die Welt gesetzt, oder man hat ihm einfach Unsinn eingeredet. Zumindest in einem Punkt hat er wissentlich nicht ganz die Wahrheit gesagt. Er hat sicher keine BEKANNTEN die sich dort aufhalten. Eventuell folgt er lediglich Menschen (oder Maschinen) die behaupten, sie kämen von dort.

Wer einmal in die Augen der Frauen und Kinder geschaut hat, wenn sie bei uns ankommen, kann die eigenen Augen nicht mehr vor dem Leid verschließen. Die Kinder wissen natürlich nicht, was passiert. Aber sie merken ganz deutlich, dass irgendetwas überhaupt nicht richtig ist. Wenn man dann noch sieht, wie Kinder ihre jüngeren Geschwister zu trösten versuchen, dann muss ich sofort wieder an den Diktatorenmord denken.

Selbstverständlich hat das alles Auswirkungen auf uns. Auf unsere Wirtschaft und auch auf jeden Einzelnen Privathaushalt. Alles wird teurer und wir werden Einschränkungen erfahren, die wir bisher nicht kannten. Zumindest die jüngere Generation.

Aber jeder Tag, an dem wir nicht mit aller Härte die Sanktionen durchhalten, verlängert lediglich die Problematik. Reicht unser Gas noch bis zum Herbst? Das muss in diesem Fall egal sein. Halten wir durch, ist Putin spätestens im Sommer bereits lange Geschichte. Mit den Nachfolgern kann man dann auch wieder Geschäfte machen. Schon um auch der russischen Bevölkerung klarzumachen, an wem ihre Einschränkungen lagen.

Die Drohung, Russland hätte genug andere Abnehmer sollte man auch ganz locker sehen. Mag sein, dass er diese hat, aber das Gas läuft nicht durch Schläuche, die man mal eben umlegt. Die Gastrassen sind in jahrelanger mühevoller Arbeit erbaut worden. Die stellt man nicht eben mal kurz um.

Wir werden diesen Krieg nicht durch Aussitzen beenden. Wir müssen den Kriegsverbrecher Putin stoppen, bevor er einfach so weitermacht. Kommt er damit durch, dann wird kurz aufgetankt, und Moldavien, Georgien oder Finnland noch mitgenommen.

Wir müssen alles dafür tun, und ich meine alles, um die Freiheit der Ukraine, Europas und letztlich der Welt zu erhalten.

Das klingt hochtrabend, aber an genau dieser Stelle in der Geschichte stehen wir gerade, find ich.

 

02.04.2022