Die Wahl der Qual

Immer wieder steht man vor der berühmten Wahl, der Wahl zwischen Pest und Cholera. Während diese für mich relativ eindeutig und schnell zu treffen wäre (die eine ist tödlich, die Alternative bedeutet Durchfall vom Feinsten), stehe ich in diesem Fall vor einer Wahl, wie sie schwieriger nicht sein könnte.

In ein paar Wochen ist Wahl (also so wirklich – nicht einfach als Metapher).

Das Problem ist, dass man die Wahl zwischen drei Kandidaten hat, von denen jeder schlimmer als die anderen Beiden sind. Dies ist etwas, dass man erst einmal verdauen muss.

Wie soll man sich entscheiden?

Ich weiß, es gibt auch andere Wahlmöglichkeiten, aber wenn wir ehrlich sind, wird es einer dieser drei Experten wohl werden. Klar kann man Herrn Lindner seine Stimme geben (alternativ der Tierschutzpartei), aber ändern wird es am Ergebnis lediglich marginal etwas.

Also, wählen wir das kleinste Übel? Wäre eine Möglichkeit, wenn man denn klar benennen könnte, was das ist.

Interessanterweise finden in den berühmt berüchtigten „Sonntagsfragen“ eine imposante Mehrheit der Befragten, dass niemand dieser drei Leute das ausstrahlt, was der ausgelobte Posten verlangt.

Lasst uns die Wahl verschieben – ne, auch nicht das Gelbe vom Ei. Das würde bedeuten, dass Leute, wie der Verkehrsminister weiterhin Unfug treiben könnten.

Lassen wir doch einfach eine temporäre Wahl abhalten. Einfach mal so, für 6 Monate. Probezeit, sozusagen. Hat der Sieger den Wagen nicht komplett gegen die Wand gefahren, darf er weitermachen. Bekommt sozusagen seine Arbeitsvertragsverlängerung. Das funktioniert schließlich in der Wirtschaft auch hervorragend.

Was bekommt man denn für seine Stimme? Auch diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Schaut man sich die die grassierende Wahlplakat-Flut allerorten an, ist die Botschaft auf allen irgendwie zusammenzufassen unter … ja, unter was eigentlich? „Damit die Richtung stimmt“ (Hä? Wohin denn genau? Zum Bahnhof geht’s hier entlang?) „Zuhören und Zutrauen“ (damit man das nachher plagiatieren kann?) „Respekt für Dich“ (von wem? Ach ja, von Herrn Scholz – klingt natürlich auch glaubwürdig) Am schönsten finde ich ja „Gemeinsam für ein modernes Deutschland“ (von der CDU – mit Herrn Laschet auf dem Plakat – kann man sich nicht ausdenken)

Die üblichen Allgemeinsprüche „Soziale Gerechtigkeit wählen“ lasse ich außen vor. Niemand würde von sich selbst behaupten, er wäre nicht sozial gerecht. Was „Gerecht“ ist, ist schließlich eine Definitionsfrage.

Alles ist beliebig, und am Schluss machen alle genau das Gleiche, wie die Anderen es auch täten.

Muss man tatsächlich Angst vor Frau Baerbock als Kanzlerin haben? Was würde sie anders machen (können) als Herr Laschet? Sie sieht besser aus, und die Peinlichkeiten wären andere, aber sonst? Würde sich irgendwas ändern, was sich nicht auch in den anderen Konstellationen ändern würde?

Ach Mensch, ich weiß es doch auch nicht.

Vielleicht entscheide ich mich ja für die Partei „Die Partei“. Da gefällt mir wenigstens das Wahlplakat mit der Botschaft „Irgendwas“.

Zudem mit einer klaren Aufforderung: Wählt die Partei, denn sie ist gut.

Die Wahl wäre zwar auch uneffektiv, aber sorgt zumindest für einen gewissen Unterhaltungswert, find ich.


07.08.21